{"id":2,"date":"2015-01-13T13:53:45","date_gmt":"2015-01-13T12:53:45","guid":{"rendered":"http:\/\/samerski.de\/blog\/?page_id=2"},"modified":"2019-03-18T12:13:45","modified_gmt":"2019-03-18T11:13:45","slug":"beispiel-seite","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/samerski.de\/?page_id=2","title":{"rendered":"\u00dcber mich"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"#kurzvita\">Kurzvita<\/a><\/p>\n<h2>Mein bisheriger Denk- und Lebensweg<\/h2>\n<p>Aus Begeisterung f\u00fcr Tiere und Pflanzen begann ich 1989 in T\u00fcbingen, Biologie zu studieren. Bereits nach einem Semester war meine Begeisterung\u00a0 allerdings ziemlich ged\u00e4mpft: Zu meiner Entt\u00e4uschung widmete sich die moderne Biologie nicht so sehr dem Verst\u00e4ndnis des Lebendigen, sondern vielmehr dem Versuch, Lebewesen technisch zu manipulieren und zu &#8222;optimieren&#8220;. F\u00e4cher wie Neurophysiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie und Genetik wurden damals massiv ausgebaut und mit viel Geld gef\u00f6rdert, weil sie den &#8222;Schl\u00fcssel zum Leben&#8220;, die Heilung von Krankheiten, das Ende des Welthungers und vor allem neue M\u00e4rkte versprachen.<\/p>\n<p>Um besser verstehen zu k\u00f6nnen, was es mit diesen Heilsversprechen auf sich hat, w\u00e4hlte ich Humangenetik als Hauptfach und Philosophie bzw. Ethik als Nebenfach. Zudem studierte ich mehrere Semester Empirische Kulturwissenschaft im sch\u00f6nen Haspelturm, wo ich die Historikerin Barbara Duden kennenlernte. Studieren hie\u00df damals noch nicht, Creditpoints hinterherzujagen, sondern sich eigenst\u00e4ndig in Themen einzuarbeiten und Fragen nachzugehen.\u00a0 Ich begann, mich mit der &#8222;Entstehung und Entwicklung wissenschaftlicher Tatsachen&#8220; (Ludwik Fleck), mit Michel Foucault&#8217;s Analysen der Biopolitik und mit der Geschichte der Lebenswissenschaften zu besch\u00e4ftigen. Nachdem ich in meiner Diplomarbeit die ribosomale Verwandtschaft Madagassischer Halbaffen untersucht hatte, beschlo\u00df ich, in Zukunft nicht mehr <em>in<\/em> der Genetik, sondern <em>\u00fcber<\/em> die Genetik weiterzuforschen. Barbara Duden nahm mich unter ihre Fittiche, und ich begann mit einer sozialwissenschaftlichen Dissertation \u00fcber die &#8222;Freisetzung genetischer Begrifflichkeiten&#8220; an der Universit\u00e4t Bremen. Ich untersuchte, wie Genetiker schwangere Frauen in professionellen Beratungsgespr\u00e4chen \u00fcber die genetischen Vorg\u00e4nge und Risiken bei Zeugung und Kinderkriegen aufkl\u00e4ren. Die ein- bis zweist\u00fcndigen genetischen Beratungssitzungen hatten das ausdr\u00fcckliche Ziel, Frauen zur &#8222;Selbstbestimmung&#8220; zu bef\u00e4higen. Was ist das f\u00fcr eine Selbstbestimmung, fragte ich mich, f\u00fcr die Schwangere von Genetikern pr\u00e4pariert werden? Was lernen Schwangere, wenn sie \u00fcber &#8222;Basisrisiken&#8220;, Fehlbildungswahrscheinlichkeiten, Mendel&#8217;sche Regeln und vorgeburtliche Testoptionen aufgekl\u00e4rt werden? Im Sommer 2001 schloss ich meine Promotion mit dem Buch &#8222;Die verrechnete Hoffnung. Von der selbstbestimmten Entscheidung durch genetische Beratung&#8220; ab (<a title=\"Rezension Verrechnete Hoffnung\" href=\"http:\/\/www.hsozkult.de\/publicationreview\/id\/rezbuecher-4397\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rezension von Christine Holmberg<\/a>).<\/p>\n<p>Neben meiner Promotion arbeitete ich, bis zu seinem Tod im Dezember 2002, als pers\u00f6nliche Assistentin von <a href=\"http:\/\/illich.org\/\">Ivan Illich<\/a>. Ihm habe ich nicht nur meine Orientierung im Denken zu verdanken, sondern auch einen gro\u00dfen internationalen Kreis an Freundinnen und Freunden bzw.\u00a0 Kolleginnen und Kollegen, die sich alle auf verschiedene Weise mit den befremdlichen Mythen der Jetzt-Zeit besch\u00e4ftigen: Beispielsweise mit der Gleichsetzung von Gesundheit mit Medizinkonsum, der Verwechslung von Information und Wissen oder mit dem Glauben an technische Machbarkeit. Bis heute treffen wir uns\u00a0 mindestens\u00a0 j\u00e4hrlich zum gemeinsamen &#8222;Denken nach Illich&#8220; (hier geht&#8217;s zur nicht mehr aktualisierten <a href=\"http:\/\/www.pudel.uni-bremen.de\/\">Illich-Webseite aus der Bremer Zeit<\/a>).<\/p>\n<p>Seit 1997 arbeite ich freiberuflich als Wissenschaftliche Referentin mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen: Zuletzt\u00a0 habe ich in Kooperation mit der TK eine Studie zum Thema \u201eDigitale Gesundheitskompetenz\u201c durchgef\u00fchrt\u00a0(siehe <a href=\"https:\/\/samerski.de\/projekte\/\">www.samerski.de\/projekte<\/a>). Regelm\u00e4\u00dfig werde ich zu Vortr\u00e4gen und Workshops zur \u201eDigitalen M\u00fcndigkeit\u201c oder zur \u201eDie Patientin im Spiegel von Daten\u201c eingeladen. Zuvor habe ich vor allem Weiterbildungsveranstaltungen und Workshops zu Themen wie Risikokommunikation, Pr\u00e4nataldiagnostik, Gesundheitsinformation, Arzt-Patientenverh\u00e4ltnis durchgef\u00fchrt, u.a. f\u00fcr die KatHo K\u00f6ln, die Bundesvereinigung der Frauengesundheitszentren, die Evangelischen Konferenz f\u00fcr Familien- und Lebensberatung e.V., impatentia e.V., das Deutsche Hygiene Museum Dresden, die Politische Akademie Tutzing, die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung u.v.w. F\u00fcr Jerry Brown (heute Gouverneur von Kalifornien) habe ich im Jahr 2000 und 2001 die jeweils zweimonatigen Veranstaltungsreihe \u201eResearch by People\u201c mit Ivan Illich in Oakland, Kalifornien, organisiert und durchgef\u00fchrt, in deren Zentrum Themen wie Stadtplanung, Migration, Soziale Arbeit, Wohlfahrt, B\u00fcrgerbeteiligung standen.<\/p>\n<p>Ab 2002 arbeitete ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Soziologie an der Universit\u00e4t Hannover, die ersten drei Jahre mit Barbara Duden im BMBF-Projekt &#8222;Das Alltags-Gen. Die semantischen und praxeologischen Konturen von &#8218;Gen&#8216;, wenn es in der Alltagssprache eingesetzt wird&#8220;. Was passiert, fragten wir uns, wenn aus dem Labor ausgewanderte Fachtermini wie &#8222;Gen&#8220;, &#8222;genetisch&#8220;, &#8222;genetischer Defekt&#8220; und &#8222;genetisches Risiko&#8220; zu Alltagsvokabeln werden? Was verstehen die Friseuse, der Pfarrer und die B\u00e4urin in einem schw\u00e4bischen Dorf darunter, was die beratene Schwangere und was der beratende Genetiker? Wie ver\u00e4ndert sich die Selbstwahrnehmung der Sprechenden, wenn sie sich und anderen solche Konstrukte als etwas pers\u00f6nliches zuschreiben? Unsere Ergebnisse haben wir u.a. in Fachzeitschriften und im Buch &#8222;<a title=\"Die Entscheidungsfalle\" href=\"http:\/\/www.wbg-wissenverbindet.de\/shop\/ProductDisplay?storeId=10151&amp;urlLangId=-3&amp;productId=185415&amp;urlRequestType=Base&amp;langId=-3&amp;catalogId=10051\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Entscheidungsfalle. Wie genetische Aufkl\u00e4rung die Gesellschaft entm\u00fcndigt<\/a>&#8220; ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Von 2013-2015 arbeitete ich als Postdoktorandin am <a title=\"Selbst-Bildungen\" href=\"http:\/\/www.uni-oldenburg.de\/graduiertenkolleg-selbst-bildungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">DFG-Graduiertenkolleg &#8222;Selbst-Bildungen&#8220;<\/a> der Universit\u00e4t Oldenburg. Dort erforsche ich, wie aus Patienten &#8222;Entscheider&#8220; geworden sind. Wie kommt es, dass der paternalistische Leitsatz &#8222;Doctor knows best&#8220; durch das neue Motto &#8222;Patient decides best&#8220; abgel\u00f6st wurde? Welche Ver\u00e4nderungen im Gesundheitssystem haben dazu gef\u00fchrt, dass aus dem &#8222;Leidenden&#8220;, der \u00e4rztlicher Hilfe bedarf, ein &#8222;Entscheidender&#8220; wurde, der f\u00fcr seine informierte Entscheidung pr\u00e4pariert werden muss? Dabei ber\u00fccksichtige ich nicht nur die St\u00e4rkung der Patientenrechte in den vergangenen Jahrzehnten, sondern auch den Einflu\u00df der Gesundheits\u00f6konomie, die \u00e4rztliche Hilfe in eine standardisierbare Ware und Patienten in nachfragende Konsumenten verwandelt hat. Besonders spannend finde ich die\u00a0 folgende Beobachtung: Die Frauen- und Patientenrechtsbewegungen haben seit den 1970ern gegen die Expertenherrschaft der &#8222;Halbg\u00f6tter in Wei\u00df&#8220; und f\u00fcr Freiheitsrechte der Patienten gek\u00e4mpft. Gleichzeitig bem\u00fchten sich \u00d6konomen (in Deutschland seit den 1980er Jahren), das Gesundheitswesen in einen Gesundheitsmarkt zu verwandelt, in dem es standardisierbare Waren und souver\u00e4ne Kunden gibt. In der Forderung nach\u00a0 &#8222;Patientensouver\u00e4nit\u00e4t&#8220; und &#8222;informierten Entscheidungen&#8220; vermischen sich diese beiden, urspr\u00fcnglich sehr unterschiedlichen Bestrebungen und bringt eine sehr wirkm\u00e4chtige, aber ebenso fragw\u00fcrde neue Form des professionellen &#8222;Entscheidungs-Unterrichts&#8220; hervor. Sind B\u00fcrger heute auf Konsumenten reduziert, wie bereits Eric Hobsbawn beklagte? Bedeutet &#8222;Selbstbestimmung&#8220; heute anhand von vorgefertigten Informationen zwischen vorgegebenen Optionen zu w\u00e4hlen?<br \/>\n<a name=\"kurzvita\"><\/a><\/p>\n<p>Von November 2015 bis Juni 2018 forschte ich am <a href=\"http:\/\/www.kultur.uni-bremen.de\/de\/personen\/wissenschaftliche-mitarbeiter-innen\/detail\/samerski.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Institut f\u00fcr Ethnologie und Kulturwissenschaft<\/a> an der Universit\u00e4t Bremen zu Gesundheits, Wohlfahrt und Superdiversity. Unser Projekt hei\u00dft &#8222;<a href=\"http:\/\/www.birmingham.ac.uk\/generic\/upweb\/index.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Understanding the Practice and Developing the Concept of Welfare Bricolage<\/a>&#8220; (UPWEB) und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Forschungsprogramms \u201eWelfare State Futures\u201c des europ\u00e4ischen Forschungsf\u00f6rderungsnetzwerks NORFACE gef\u00f6rdert. Durch dieses Projekt habe ich mich in die stadtteibezogene, kollaborative Gesundheitsforschung sowie in Themenfelder wie Migration und Gesundheit bzw. gesundheitliche Ungleichheit eingearbeitet. Im Projekt untersuchen wir, wie BewohnerInnen von superdiversen Stadtteilen sich ihre Gesundheitsversorgung &#8222;zusammenbasteln&#8220; bzw. was sie genau tun, wenn sie gesundheitliche Beschwerden haben. Fragen sie zun\u00e4chst Freunde und Bekannte? Recherchieren sie im Internet?\u00a0 Behandeln sie sich zun\u00e4chst selbst, und wenn ja, wie? An welchem Punkt gehen sie zum Arzt? Welche Erfahrungen machen sie dort? Neben den EinwohnerInnen haben wir auch AnbieterInnen von Gesundheitsdienstleistungen zu den besonderen Herausforderungen ihrer Arbeit in superdiversen Stadtteilen interviewt. Auf der Grundlage der Interviews habe ich einen Artikel \u00fcber &#8222;Gesundheitskompetenz&#8220; als soziale Praxis ver\u00f6ffentlicht, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.socscimed.2019.02.024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.socscimed.2019.02.024<\/a><\/p>\n<p>Im Juli 2018 habe ich einen Ruf an die Hochschule Emden\/Leer erhalten, wo ich seit dem 15. Oktober die Professur f\u00fcr Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Gesundheit innehabe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>KURZVITA<\/h2>\n<p>seit 10\/2018<\/p>\n<p>Professorin f\u00fcr Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Gesundheit an der Hochschule Emden\/Leer<\/p>\n<p>1\/2018 &#8211; 9\/2018<\/p>\n<p>Leitung und Durchf\u00fchrung der Studie &#8222;TK-DiSK. Digital. Selbstbestimmt. Kompetent. Ein Projekt zur St\u00e4rkung der digitalen Gesundheitskompetenz von Patienten und Organisationen&#8220; in Kooperation mit der TK (siehe: samerski.de\/projekte)<\/p>\n<p>2017<\/p>\n<p>Dozentin f\u00fcr Gesundheitswissenschaften im Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Bremen<\/p>\n<p>11\/2015 &#8211; 6\/2018<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Mitarbeiterin am <a href=\"http:\/\/www.kultur.uni-bremen.de\/de\/personen\/wissenschaftliche-mitarbeiter-innen\/detail\/samerski.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Institut f\u00fcr Ethnologie und Kulturwissenschaft<\/a> an der Univerist\u00e4t Bremen in einem <a href=\"http:\/\/www.birmingham.ac.uk\/generic\/upweb\/index.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">internationalen Forschungsprojekt zu Gesundheit, Wohlfahrt und Superdiversity<\/a><\/p>\n<p>2013-2015<\/p>\n<p>Postdoktorandin am DFG-Graduiertenkolleg \u201e<a href=\"http:\/\/www.uni-oldenburg.de\/graduiertenkolleg-selbst-bildungen\/silja-samerski\/\">Selbstbildungen &#8211; Praktiken der Subjektivierung<\/a>&#8222;, Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg<\/p>\n<p>2002\u20132012<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leibniz Universit\u00e4t Hannover, u.a. im BMBF-Projekt \u201eDas \u201aAlltags-Gen\u2018 &#8211; Die semantischen und praxeologischen Umrisse von \u201aGen\u2018, wenn es in der Alltagssprache eingesetzt wird\u201d<\/p>\n<p>seit 1997<\/p>\n<p>Freiberufliche Referentin im Gesundheitswesen zu den Themen Digitalisierung, Risikokommunikation, Arzt-Patientenverh\u00e4ltnis, Pr\u00e4nataldiagnostik, \u00d6konomisierung, Patientenautonomie, soziale Dimensionen von Gesundheit<\/p>\n<p>1997\u20132002<\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche Assistentin von Prof. Dr. <a href=\"http:\/\/illich.org\/\">Ivan Illich<\/a>, Forschungen zur Wissenschafts- und Technikgeschichte, Degrowth, Konvivialit\u00e4t, Gemeinsinn, u.a.<br \/>\nOrganisation von Veranstaltungen und Arbeitstreffen in Mexiko, Italien, USA und Bremen<\/p>\n<p>Sozialwissenschaftiche Promotion (Dr. phil) an der Universit\u00e4t Bremen (&#8222;Die verrechnete Hoffnung. Von der selbstbestimmten Entscheidung durch genetische Beratung. M\u00fcnster 2002&#8220;)<\/p>\n<p>1989-1996<\/p>\n<p>Studium der Biologie, Philosophie und Empirischen Kulturwissenschaft an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzvita Mein bisheriger Denk- und Lebensweg Aus Begeisterung f\u00fcr Tiere und Pflanzen begann ich 1989 in T\u00fcbingen, Biologie zu studieren. 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